Mein ideales Objektiv Kit oder warum 3 Objektive mehr als ausreichend sind

Es gibt in der heutigen Zeit unzählige Objektive in allen Preisklassen, neu und gebraucht, dazu unzählige technische Diskussionen. Das Internet ist voll mit unzähligen Vergleichen zwischen „besser“, „schärfer“, „moderner“, „charakterstärker“, usw.

Aber irgendwann habe ich für mich gemerkt: Ich brauche nicht mehr Auswahl. Ich brauche keine sterile, technisch perfekte Abbildung & augenscheinlich perfektes Bokeh (wenn es das überhaupt gibt), sondern Klarheit und Charakter, idealerweise mit einem Werterhalt über die Jahre (oder besser Jahrzehnte) hinweg, dazu so klein & kompakt wie eben möglich.

Warum ich mich für 24mm, 50mm und 90mm entschieden habe

Und genau deshalb habe ich mich nach umfangreicher Probiererei (auch mit Voigtländer und 7Artisans Objektiven) bewusst für folgende drei Brennweiten/Objektive entschieden:

  • Leica Elmarit-M 24mm f/2.8 ASPH. (11878, Fertigungszeitraum 1998 - 2010)
  • Leica Summicron-M 50mm f/2 (11819, Version IV, Fertigungszeitraum 1979 - 1994)
  • Leica Summicron-M 90mm f/2 (11136, Version III, Fertigungszeitraum 1980 - 1998)

Nicht, weil sie in irgendeiner Form spektakulär sind. Sondern weil sie für mich funktionieren und in einer Art & Weise abbilden, wie ich es mir von gutem Glas wünsche.


24mm – Nähe ohne Verzerrung

Das 24mm Elmarit-M f2.8 (Baujahr 1998. 290g) ist das "neueste" Glas in meiner Fototasche und für mich kein Effekt-Objektiv. Es ist ein Werkzeug für Raum.

Ich arbeite gerne & viel im urbanen Kontext, wo 28mm (z.B. bei der Leica Q Serie) durchaus mal zu lang sein kann. Street. Architekturfragmente. Menschen im Umfeld ihrer Umgebung. 24mm gibt mir Kontext, ohne ins Extreme zu kippen.

  • Es ist weit – aber nicht übertrieben.
  • Es zwingt mich näher an die Szene.
  • Es zwingt mich, Teil des Moments zu werden.

Und genau das liebe ich daran.

Ich sehe mit 24mm nicht nur ein Motiv. Ich sehe ein Verhältnis zwischen Motiv und Umgebung.


50mm – Die ehrlichste Brennweite

200 Gramm , 53mm x 43mm (D x l)

Wenn ich nur ein Objektiv behalten dürfte, wäre es das 50mm Summicron-M f2.0 (Baujahr 1993, 200g)

50mm ist für mich die neutralste, ehrlichste Perspektive. Keine dramatische Verdichtung. Keine übertriebene Weite.

Nicht umsonst war 50mm über Jahrzehnte hinweg die bevorzugte Wahl von der Fotografen-Legende Henri Cartier-Bresson

Henri Cartier-Bresson gilt als einer der einflussreichsten Fotografen des 20. Jahrhunderts und als Mitbegründer der modernen Reportagefotografie.

Er prägte den Begriff des „entscheidenden Moments“ – die Idee, dass ein Bild dann entsteht, wenn Form, Inhalt und Bewegung für einen kurzen Augenblick perfekt zusammenfallen. Für ihn war Fotografie kein Inszenieren, sondern ein präzises Beobachten.
Cartier-Bresson arbeitete meist mit einer Leica und einem 50mm-Objektiv. Er fotografierte unauffällig, ohne Blitz, ohne Eingriff in die Szene. Seine Bilder wirken spontan, sind aber gleichzeitig formal extrem durchdacht – Linien, Geometrie und Timing spielen eine zentrale Rolle.

Er war Mitgründer der Agentur Magnum Photos und dokumentierte historische Ereignisse ebenso wie alltägliche Szenen auf der Straße.

Kurz gesagt:
HCB steht für Zurückhaltung, Timing, Komposition – und die Überzeugung, dass Fotografie mehr mit Sehen als mit Technik zu tun hat.

Das Summicron-M 50mm f/2 liefert genau das, was ich suche:

  • klare Kontraste
  • natürliche Farben
  • tolle Mikrokontraste
  • präzise Schärfe
  • weiches, aber nicht klinisches Bokeh

Ich nutze es für Menschen, Details, spontane Situationen. Es ist mein „Allrounder“, aber ohne beliebig zu sein.

Mit 50mm denke ich nicht mehr über Brennweite nach. Ich denke nur noch über Bildaufbau nach.


90mm – Reduktion auf das Wesentliche

Das Leica 90mm f2 Summicron-M (Baujahr 1986 / Kanada) “pre-Asph” ist meine ruhigste Brennweite. Mit gut 480 Gramm das Schwergewicht in diesem Trio, aber dennoch ausreichend kompakt.

Ich nutze es deutlich seltener. Aber wenn ich es einsetze, dann bewusst. 90mm bedeutet Distanz. Nicht emotional – sondern räumlich.

Es erlaubt mir, Momente zu isolieren. Hintergründe verschwinden. Linien werden ruhiger. Gesichter treten klarer hervor.

Gerade bei Porträts oder Details in einer Szene wirkt 90mm wie eine visuelle Komprimierung der Realität.
Es reduziert. Und Reduktion bedeutet Klarheit.


Warum genau diese Kombination?

Weil sie sich nicht überschneidet.
Weil sie mir klare Entscheidungen abverlangt.

  • 24mm für Kontext.
  • 50mm für Balance.
  • 90mm für Isolation.

Dazwischen gibt es nichts.

Kein 35mm. Kein 28mm. Kein 75mm. Nicht, weil sie schlecht wären – sondern weil ich mich nicht verzetteln möchte.

Je weniger Optionen ich habe, desto klarer wird mein Blick. Und ich möchte über das Foto nachdenken und nicht über das Objektiv, welches ich jetzt am besten nutzen sollte.


Es geht nicht um Technik

Natürlich sind diese Objektive haptisch und optisch hervorragend (wenn auch technisch aufgrund des Alters überholt).

Aber das ist nicht der Grund, warum ich sie nutze. Ich habe mich für sie entschieden, weil sie:

  • konsistent rendern
  • mit tollen Mikrokontrasten erfreuen
  • ruhig wirken
  • keine Effekte produzieren
  • mir nicht die Show stehlen

Sie interpretieren nicht. Sie bilden ab.

Und genau das suche ich.


Fazit

Ich glaube nicht an „die perfekte Brennweite“. Ich glaube an bewusste Entscheidungen.

Für meine Art zu fotografieren – Street, Menschen, dokumentarische Momente – geben mir 24mm, 50mm und 90mm alles, was ich brauche.

Nicht mehr. Nicht weniger.

Und genau deshalb ist es mein ideales Objektiv Kit.


Hinweis : Da es bei Leica diverse Generationen/Versionen gleicher Objektive / Brennweiten gibt (bestes Beispiel das 50mm Summicron-M in sieben(!) verschiedenen Versionen), habe ich bei der Aufzählung die Modellnummer bzw die Versionsnummer mit angegeben)

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